Aero-Club Rhein-Nahe e.V.

Herzlich Willkommen beim zweitgrößten Flugsportverein in Rheinland Pfalz
 

Aus Euro Fly-Out wird Fly-Out in Germany 



London, Dublin oder die kroatische Adria-Küste: so waren unsere Planungen im vergangenen Dezember für den fünftägigen „Euro Fly-Out 2020“ – bereits die 6. Auflage seiner Art. Dann kam das Corona Virus und mit einem Mal war alles anders – nicht nur für unsere Reisepläne. 

Was macht man also mit einem „Euro Fly-Out“, wenn Europa als Reiseziel weitgehend ausfällt? Wir strichen das „Euro“ und blieben beim „Fly-Out“: also einmal um die Grenzen der Bundesrepublik – eine „Corona-rund-um-Deutschland Tour“. Eine Idee, die allemal besser war, als zuhause zu bleiben und viel interessanter wurde, als gedacht…  

Um einigermaßen den Überblick bei all den Reisebeschränkungen und Quarantänebestimmungen zu behalten, hatten wir uns auf Ende September als Termin verständigt. Zu diesem Zeitpunkt war klar, was ging und was nicht. Vier Flugzeuge mit insgesamt elf Mann Besatzung gingen an den Start. Also los… 


Nach Wochen ungetrübten Flugwetters im gesamten Bundesgebiet, änderte sich das Wettergeschehen genau an diesem Wochenende. Im Nordwesten und im Südosten stellten sich einige Tiefdruckgebiete in den Weg. Quer über Deutschland hatte sich aber ein Gebiet mit guten Flugbedingungen gebildet. Die erste Etappe ging nach Rostock. Die Navigation wurde an diesem Tag erheblich durch eine interessante Zeichnung am Himmel erleichtert: Zwischen den Wettergebieten gab es eine deutlich sichtbare grau-blaue Grenze, der man eigentlich nur hinterherfliegen musste, um von Langenlonsheim genau nach Rostock zu gelangen. 


Die Stunde unserer Super Dimona Crew (Julian und Max) war gekommen: Der kräftige Rückenwind in Verbindung mit einer clever gewählten Flughöhe und einem „offensiven“ Power Setting verlieh dieser Crew Flügel. Sie war so schnell unterwegs, dass sie die deutlich stärker motorisierten Maschinen im Starterfeld ziemlich blass aussehen ließen – und das bei halbem Spritverbrauch! 


Natürlich wollten wir die Ostseeküste in unserem Flugprogramm nicht auslassen. Touristen genossen an diesem Morgen dicht gedrängt den Strand ohne die Corona-bedingten Restriktionen anderer Urlaubsgebiete. 

Purkshof (EDCX) ist ein Grasplatz, der wie unser Heimatflugplatz, vom örtlichen Fliegerverein betrieben wird - acht Kilometer außerhalb von Rostock – ideal für unseren Kurzbesuch.

Ein Anflug ist ausschließlich mit vorheriger Genehmigung erlaubt. Was umständlich klingt ist in Purkshof eine vollkommen unkomplizierte Sache. Unser telefonischer Request wurde nicht nur total freundlich genehmigt. Nach Ankunft sorgte die lokale Bodencrew auch dafür, dass der Durst unserer Flugzeuge mit MOGAS und AVGAS zu vernünftigen Preisen zügig gestillt wurde – Flugzeuge abstellen und sichern für die Nacht und schon
waren für uns unter blauem Himmel zwei Kannen wohlschmeckenden
Kaffees nebst elf Tassen auf dem Tisch. So lässt’s sich reisen! 


 Der Nachmittag war der Stadtbesichtigung mit Steintor, Fünfgiebelhaus, St.-Nikolei Kirche, Rathaus und Stadthafen gewidmet. Erschreckend, wie viel man über die Städte im eigenen Land noch lernen kann. 


Nach getaner Arbeit in der Luft und zu Lande schmeckte es beim Braugasthaus „Zum alten Fritz“ im Rostocker Hafen richtig gut. Den Absacker gab’s noch beim Spanier „Besitos“ vor einer kurzen Nacht im Hotel in der Rostocker Innenstadt. 


Kurz deshalb, weil der Flug nach Dresden nur in den Morgenstunden „ungetrübten“ Spaß versprach. Der Betreiber hatte sich zu unserer Freude bereit erklärt den Flugplatz eigens für uns am frühen Sonntagmorgen zu öffnen. Diese Mannschaft im Purkshof ist wirklich einsame Klasse!

Bereits im Funk mit den zuständigen Fluginformationsdiensten nach dem Start drängte sich der Eindruck auf, dass uns der Himmel an diesem Morgen exklusiv gehört. Dieser Eindruck wurde beim geplanten Überflug Berlins mit Durchflug der Kontrollzonen bestärkt. Ohne auch nur eine Anfrage zu stellen, kam aus bis dahin noch heiterem Himmel ein unverhofftes Angebot des Radarlotsen dem Flughafen Tegel im tiefen Überflug einen Besuch abzustatten. 

Das ließen wir uns natürlich nicht nehmen – vielleicht die letzte Gelegenheit, denn im Mai 2021 wird auch dieser Flughafen nach Tempelhof endgültig seine Pforten schließen müssen.  


Fast wie eigens für uns inszeniert gab es dann gleich das nächste Angebot für eine fliegerische Stippvisite der wohl berühmtesten Baustelle Deutschlands, dem „BER“ Flughafen. Noch vor seiner offiziellen Eröffnung am 31. Oktober 2020 konnten wir nach Überflug der Stadt den nächsten Low Approach einleiten - Zukunft und Vergangenheit der Luftfahrt in Berlin an einem Tag!  


Richtung Dresden stellten sich mit den ersten Schauern die Vorboten für einen ziemlich verregneten Tag in Dresden ein. Auch am Dresdener Flughafen herrschte gespenstische Ruhe in diesen Corona-Tagen. Weil wir angemeldet waren, wurde der Service am Boden dennoch vollkommen klaglos abgewickelt – nur der Einweiser war mit dem Wendekreis des für ihn ungewohnten Besuchers „Super Dimona“ etwas stärker herausgefordert als üblich.  


Patrick hatte seine freundliche Kollegin gebeten eigens für uns den Europcar Schalter an diesem Sonntagmorgen zu öffnen. Mit Kleinbus und PKW ging’s kurze Zeit später auf zur Dresdener Innenstadt, in der wir zwei Nächte bleiben wollten.  


Das Hotel, direkt am weltberühmten „Zwinger“, war günstig für eine nachmittägliche Stadtführung gelegen. Hier war es ein fließend Deutsch sprechender Syrer, der uns als Reiseführer die Dresdener Stadtgeschichte näher brachte. Wahrscheinlich besser als ein aus Dresden Stammender wusste er von der Herkunft des Namens „Zwinger“, der genauen Anzahl der Porzellanwandkacheln des „Fürstenzugs“, der Herkunft und dem Beziehungsgeflecht der sächsischen Herrscher sowie den von ihnen errichteten Prunkbauten zu berichten. Natürlich konnte er uns auch die exakte Lage des aufgebrochenen Stahlgitters zeigen, durch den die Juwelendiebe vor einem Jahr in das Grüne Gewölbe eingedrungen waren. 

 


Nach dieser kulturellen „Druckbetankung“ zur 850-jährigen Geschichte der Stadt, ließen wir uns bequem mit dem Bus an die interessantesten Außenstellen der Stadt fahren. Trotz Regen, ein gelungener Nachmittag in einer Stadt mit vielen Facetten und schwerer Vergangenheit. 

 


Das lokale Wetter am folgenden Montag war günstig. Stand doch der Besuch eines der ältesten Touristenzentren Deutschlands an: das Elbsandsteingebirge; ca. 30 km südöstlich von Dresden gelegen. Mit unserem Leihfahrzeugpark ging es bis nah ran an die etwas in Vergessenheit geratenen Tafelberge der Sächsischen Schweiz. Die teils steilen Klettertouren ließen sich bei den Temperaturen ganz gut bewältigen und unsere Strapazen wurden mit sensationellen Ausblicken entschädigt. 

Ein genaues Durchzählen danach ergab erfreulicher Weise, dass auch von den tollkühnsten Kletterern keiner auf der Verlustliste stand. 

 


Am Nachmittag folgte noch die Fahrt zur „Bastei“ oberhalb der Elbe mit beeindruckenden Bildern der Basteibrücke und der umliegenden Tafelberglandschaft. Den Abschluss unseres Abstechers bildete der abendliche Besuch im Panoramarestaurant. Die Bedienung dort hatte eigens einen Tisch mit wunderbarem Blick auf das abendliche Elbtal für uns hergerichtet. 

Der nächste Tag sollte uns etwas Geduld abfordern, denn der für morgens geplante Flug nach Friedrichshafen war weder früh noch spät zu machen. Ein Tiefausläufer hatte sich im Südosten des Landes festgesetzt, wobei sowohl die Alpen als auch Friedrichshafen in der Staubewölkung lagen. 

Unser alternatives Ziel Erfurt, das wir uns stattdessen für den Dienstagmittag überlegt hatten, rückte auch in immer weitere Ferne, obwohl die geplante Flugzeit eigentlich nur eine Stunde betrug. Die trüben Aussichten vor dem Thüringer Wald ließen den Anflug zunächst nicht zu. Andererseits mussten wir Dresden an diesem Tag unbedingt verlassen, denn das nächste Schlechtwettergebiet rollte heran. Wir vertrieben uns die Wartezeit mit immer bescheideneren Alternativplänen mit Gera oder Jena als Ziel bis endlich nach drei Stunden der Weg frei war. Um 16 Uhr waren dann alle Teilnehmer in „Erfurt International“ gelandet. 


Der erste Eindruck war ein Flughafen, wie zu besten Boom-Zeit der zivilen Luftfahrt. Das Vorfeld stand dicht gedrängt mit geparkten, nagelneuen Airbus Flugzeugen in den Airline-Lackierungen der unterschiedlichsten Länder der Welt. Wie sich später herausstellte ein Trugschluss, denn hier war der neue Airbus Abstellplatz für all die Flugzeuge entstanden, deren Auslieferung wegen der Corona-Pandemie noch lange Zeit auf sich warten lassen wird.  

Es ist Werner, der immer wieder durch seine perfekt intuitive Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel zu überzeugen weiß. Familientarife, Zonenfahrkarten, Gruppenreisen,… – für Werner keine wirkliche Herausforderung - egal wo wir uns in den letzten Jahren bei unseren „Euro Fly-Outs“ gerade aufhielten. Also rein in die S-Bahn und auf zur Erfurter Innenstadt. Sein Erfurter Arbeitskollege hatte dann auch noch einen Tipp für unsere abendliche Runde in einem urigen Altstadtrestaurant. 

 


 

Zum Glück für diese Erfurter Altstadt wurden wegen der Wende 1989 die damaligen Pläne Erich Honeckers zur Umgestaltung und Modernisierung aufgegeben. So konnten wir uns - wie übrigens alle Erfurter auch - an den Erhalt einer wunderschönen Altstadt beim dem morgendlichen Rundgang erfreuen. 

 

Friedrichshafen hatten wir aber noch nicht aufgegeben. Schließlich fehlte noch etwas fliegerisches Salz in der Suppe unserer Tour. Wir wollten das Dornier Museum am Bodenseeflughafen besuchen. Auf unserer vorletzten Etappe passierten wir den Thüringer Wald über, unter und neben den sich auftürmenden Cumuluswolken und flogen an Stuttgart vorbei nach EDNY.  

Der anschließende Museumsbesuch hat uns die 100-jährige Geschichte der Luftfahrerfamilie Claude Dornier näher gebracht. Auf 6000 qm Innen- und Außendisplay des 2009 neu eröffneten modernen Museums werden interessante Meilensteine der deutschen Luft- und Raumfahrtgeschichte präsentiert. Darunter die sehr populäre Do 27, deren zweimotorige Variante Do 28, der Alpha-Jet, die Verkehrs- und Frachtflugzeuge Do 228 und 328 sowie der Exot Do 31, eine Senkrechtstarter-Frachtflugzeug. Dornier war aber auch in den weniger bekannten Bereichen Raumfahrt und Medizintechnik tätig. Es gab Einiges an bekannten und neuen Themen zu entdecken. 

 


Fünf Tage vergehen bei einem dicht gepackten Programm, wie im Flug. Der Rückweg mit einzelnen Regenschauern abseits der Route führte bei bestem Fliegerwetter über den Schwarzwald und das Rheintal zurück nach Langenlonsheim. Alle Teams hatten auch dieses Jahr wieder riesigen Spaß an einem zuverlässigen Flugzeugpark, der uns wieder topp gepflegt von unserem Technikchef Daniel mit auf die Reise gegeben wurde. Dafür ein herzliches Dankeschön von der gesamten Mannschaft! 

 

Pünktlich, wie geplant, waren um kurz vor 19 Uhr alle Räder wieder am Boden: Putzen, Aufräumen, Auspacken und Wilma’s schmackhafter Abendschmaus zum Schluss – fertig! Ideen für weitere „Euro Fly-Outs“ liegen bereits in der Schublade…

 
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