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so der Auszug aus dem METAR am Tag unserer geplanten Reise nach Jersey. Das klingt in den Ohren eines Sichtfliegers so attraktiv, wie die Einladung zu einer rasanten Alpentour bei Glatteis auf dem Motorrad. Das mächtige Tief „Oliane“ mit Zentrum über Island hatte das Wetter in diesem Juli über dem nördlichen Teil Europas seit Tagen fest im Griff. Die Piste in Langenlohnsheim war zum 3. Mal in diesem Jahr vollkommen überflutet – und das nur zwei Tage vor dem geplanten Start unseres Euro Fly-Out 2016. Auch die folgenden Tage wollte „Oliane“ laut Prognose weiter äußerst abwechslungsreich gestalten. Immer neue Tiefausläufer mit zugehörigen Fronten und Höhentrögen, die Schauer und Gewitter im Gepäck hatten, waren ein echter Kontrast zum fünftägigen CAVOK-Wetter des vergangenen Jahres. Der Fly-Out sollte dieses Jahr fliegerisch anspruchsvoller werden.
Hans-Jürgen Schwerhoff berichtet...

Damit wir Wetterkapriolen besser aus dem Weg gehen können, hatten wir von vornherein zwei voll ausgearbeitete Flugrouten mit zugehörigem Programm vorbereitet. Die eine sollte über die Champagne nach Jersey und zurück über die Wasserschlösser der Loire führen. Dieses Jahr wohl kein guter Plan, denn es waren nur zwei von fünf Tagen mit vernünftigen Sichtflugbedingungen für uns im Forecast.

Abflugvorbereitungen Flugplatz LangenlonsheimLeider waren die Wetterbindungen der Alternativroute Richtung Osten nach Danzig und Prag auch nicht ideal vorhergesagt – aber immerhin besser als nach Westen. Also beschlossen wir am Dienstag den Trip nach Danzig anzugehen. Ja, natürlich ist es ein Zusatzaufwand mit zwei alternativen Programmen zu planen: Jetzt aber hatte es sich gelohnt: die Reservierungen für Touren und Hotels Richtung Jersey konnten allesamt kostenfrei storniert werden. Und statt zuhause in den trüben Himmel zu schauen konnten wir uns auf einen gleichwertig interessanten Ausflug ganz ohne Hektik freuen. Losgehen konnte es am Mittwoch allerdings erst mit etwas Verspätung. Zwar war - wie eigens für uns inszeniert - unserer Heimatpiste rechtzeitig abgetrocknet. Auch waren in letzter Sekunde dank vieler helfender Hände zwei der am Trip beteiligten Flugzeuge mit ihren fälligen Checks fertig geworden. „Oliane“ wollte mit einer Okklusion aber zunächst noch etwas Aufmerksamkeit auf sich lenken.

EuroFlyOut2016 OstseeUm den unangenehmen Begleiterscheinungen, wie Schauern und Gewittern mit tiefen Wolkenuntergrenzen aus dem Weg zu gehen, ging’s um 14:00 los nach Heringsdorf auf die Ostseeinsel Usedom. Bei der Landung gegen 17:00 Uhr waren die Reste der Front gut sichtbar vor uns gerade abgezogen. Nach einem ansonsten vollkommen ruhigen etwa dreistündigen Flug über Taunus und Harz sowie über die Mecklenburgische Seenplatte wartete ein entspannter Abend in Koserow an der Ostsee auf uns. Der Regionalflughafen Heringsdorf bietet zwar einen tollen Service für Piloten – öffnet aber erst um 9:00 Uhr seine Pforten. Die bereits zuvor betankten Flugzeuge waren startklar für das nächste Leg nach Danzig. Die Front des Vortages zog etwas weiter nach Osten, wobei die nächste allerding unsere Strecke am Mittag wieder erreichen sollte. Ein Zeitfenster, das wir nutzen wollten. Die vorhergesagten wenigen tiefen Nebelschwaden über der Ostsee sollten unseren zweistündigen Flug nicht stören.

EuroFlyOut2016 Ostsee2In Polen zu fliegen sieht mit Blick auf die Sichtflugkarte zunächst sehr anstrengend aus. Das ganze Land ist mit militärischen Tiefflugstrecken und temporären Beschränkungsgebieten überzogen. Hinzu kommen die üblichen Kontrollzonen und zahlreiche MATZ und ATZ (militärische und zivile Flugplatzverkehrszonen), die ohne Freigabe nicht beflogen werden dürfen. Die polnischen Luftfahrtbehörden bieten allerdings einen sehr komfortablen Online Service an, der das Pilotenleben deutlich erleichtert. Unter Eingabe der Flughöhe und der gewünschten Flugzeit verschwinden auf dem Bildschirm alle Gebiete, die für das Vorhaben am entsprechenden Tag nicht relevant sind. Wir hatten ausgesprochenes Glück, denn für uns bedeutete das einen weitgehend freien Flug entlang der Ostsee zu unserem Ziel, dem Danziger Flughafen „EPGD“. Er ist mit ca. 3,7 Mio. Passagieren der viertgrößte des Landes und trägt den Namen des ehemaligen polnischen Präsidenten Lech Wałęsa. Die größte körperliche Herausforderung des Tages war dann allerdings der lange Fußmarsch über das Flughafengelände zum GAT bei hochsommerlichen Temperaturen und gefühlt 130% Luftfeuchtigkeit.

EuroFlyOut2016 DanzigDanzig ist eine der faszinierendsten Städte Europas mit einer langen und wechselvollen Geschichte, die sich auch in ihren Bauwerken widerspiegelt. Wie bekommt man in nur drei Stunden einen guten Einblick ohne mit Faktenwissen überschüttet/gelangweilt zu werden? Man engagiert Sandra, eine intelligente und attraktive polnische Studentin, die in Danzig geboren wurde. Denn sie erzählt nicht nur von der Geschichte sondern auch die Geschichten, die diese erst lebendig machen. Drei Stunden können sehr kurz sein…
Der Tanz mit „Oliane“ fand seine Fortsetzung. Gemeinsames Briefing am Abend: Auf dem nächsten geplanten Abschnitt nach Krakau war die Vorhersage mit Einschränkungen akzeptabel - allerdings der weitere Verlauf nach Prag wegen zahlreicher Gewitter eher ungünstig. Weil einige Teilnehmer am folgenden Montag wieder im Büro sein mussten, gab es eine Planänderung. Anstelle nach Krakau ging es am nächsten Morgen weiter nach Berlin. Schon sah die Prognose viel besser aus und wir hatten sogar die Option – falls es auch mit dem Wetter nach Prag schwierig werden sollte – die Fanmeile in Berlin zum EM Viertelfinalspiel zwischen Italien und Deutschland zu besuchen. Den Plan nach Prag zu fliegen wollten wir aber noch nicht aufgeben. Hotels umgebucht, Flugplanung geändert und auf ging’s nach Berlin Schönhagen, dem größten Flugplatz für die allgemeine Luftfahrt nahe der Hauptstadt. Auf dem Weg dorthin zeigte eine freundliche Radarlotsin ein Herz für Privatflieger und erteilte die Freigabe für einen Approach und anschließendem tiefen Überflug des neuen Flughafens BER.

EuroFlyOut2016 UeberflugBER

Die Berliner Luft hat uns allen ausgesprochen gut gefallen. Original Wiener Schnitzel und EM Atmosphäre am Gendarmenmarkt bei kaltem Berliner Bier haben uns an diesen lauen Sommerabend für den entfallenden Besuch Krakaus ein wenig entschädigt. Bei einigen Teilnehmern ist an diesem Abend der Plan gereift, Krakau vielleicht doch noch im Laufe des Jahres zu besuchen. Alle Vorbereitungen sind dafür bereits vorhanden.

Am Abend das Briefing für den Folgetag mit der Frage: Prag, wie geplant oder eine weitere Nacht mit Fußball in Berlin? Das Wetter hielt eine kleine „Gutwetterlücke“ für uns am frühen Samstagmorgen bereit. Die Hotelbuchungen für Prag standen noch – also schnell noch eine Flugdurchführungsplanung von Berlin nach Prag-Letňany LKLT für einen sehr frühen Start um 08:00 Uhr erstellt und schon ging es weiter. Über die bizarren Gebirgslandschaften des östlichen Erzgebirges und des Böhmischen Tafellandes führte der 1 ½ -stündige Flug ans Ziel.

 Die EnEuroFlyOut2016 abstellenLetnanytscheidung auf Letňany fiel, weil der Touristenansturm auf Prag im Sommer enorme Ausmaße annimmt. Infolgedessen ist der internationale Flughafen Václav-Havel sehr stark frequentiert und eine Landung mit GA Flugzeugen oft mit vielen Warteschleifen verbunden. Letňany liegt darüber hinaus in unmittelbarer Nähe zum Stadtzentrum und sparte uns Zeit, die wir lieber in dieser tollen Stadt verbringen wollten.
Der Anflug in die Kontrollzone erschien kompliziert war aber, wie so oft in der Fliegerei, viel einfacher als zum Planungszeitpunkt gedacht. Mit Grasbahnen sind wir „EDEL-Piloten“ zwar vertraut – die örtliche Ziesel Kolonie (ähnlich den Erdmännchen) macht die Pisten allerdings zu einer etwas holprigen Veranstaltung.

 

 EuroFlyOut2016 Prag2EuroFlyOut2016 PragInmitten der Stadt untergebracht, braucht es in Prag nicht lange Wege, um zu den Topp Attraktionen zu Fuß zu gelangen. Ob der Besuch des Hradschin mit seiner Burg und dem Veitsdom, der weltberühmten Karlsbrücke, einer typisch Prager Kneipe mit original tschechischem Pilsener oder der Altstadt – einigermaßen menschenleer ist es nur früh morgens in dieser pulsierenden Stadt. Um dem Ganzen noch etwas mehr Pepp zu verleihen hatte ein Teil unserer Fliegergruppe die Idee des Tages: Warum am Abend auf Fußball verzichten? Auch wenn es nicht die Berliner Fanmeile ist so wäre der Besuch eines italienischen Restaurants doch sicher auch für knisternde Stimmung gut geeignet. Ein Plan, der aufgehen sollte - auch als die Nerven beim EM Elfmeterkrimi Italien:Deutschland nach zwei Stunden nur noch blank lagen - die temperamentvollen Italiener waren an diesem Abend die besten Gastgeber, die man sich wünschen kann.  

EuroFlyOut2016 TeamAm Sonntagnachmittag führte unsere Reise über das Fichtelgebirge und einem kurzen Tank- und Imbisszwischenstopp in Würzburg (die AVGAS-Tankstelle in Letňany war vorübergehend außer Betrieb) zurück nach EDEL. Dort erwartete uns ein überaus freundlicher Empfang durch die Fliegerkollegen am Funk und am Boden.

Fünf Tage können bei einem dichten Programm im wahrsten Sinne des Wortes wie im Fluge vergehen. Mit nur kleinen Änderungen konnten wir trotz der anspruchsvolleren Wetterlage die geplante Route problemlos bewältigen und hatten dabei genügend Zeit, den Besuch interessanter Ziele mit den immer wieder schönen Seiten der Fliegerei zu verbinden. Den Tanz mit „Oliane“ haben wir klar gewonnen – die EM wenige Tage später leider nicht.  Wirklich gelungen ist der Euro Fly-Out 2016 aber auch dieses Jahr nur, weil die „Chemie“ im Team wieder so hervorragend gepasst hat.

Die Euro Fly-Outs des Vereins sollen auch im nächsten Jahr ihre Fortsetzung finden. Nachdem Jersey in diesem Jahr am Wetter gescheitert ist, bleibt diese Route auch in 2017 unsere „Nummer 1 Wahl“. Sollte jedoch das Wetter erneut einen Strich durch diesen Plan machen, ist ein Trip an die wunderschöne kroatische Adria als Alternative vorgesehen. Interessierte können sich bereits den Termin 28.06 – 2.07.2017 vormerken. Infos dazu gibt’s bei Hans-Jürgen Schwerhoff.

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