Mit dem eigenen Flugzeug nach IrlandIrland..... die grüne Insel...
sie sollte Ziel unseres diesjährigen großen Ausfluges sein. Insgesamt sollten es 2 Wochen werden in denen wir möglichst viel von der Republik im Nordwesten Europas sehen wollen. Die Reise wird eigentlich nicht großartig im Voraus geplant. Es stehen einige Eckpunkte fest aber weder die Reihenfolge noch die Aufenthaltsdauer an den jeweiligen Orten ist vorab festgelegt. Buchungen sind sowieso nicht vorab möglich da die Reise naturgemäß stark vom Wetter abhängig ist. Ich besorge etwa 3 Wochen vor Reisebeginn einen Irland-Tripkit und eine 1:1 000 000 Karte auf der fast die gesamte Strecke abgebildet werden kann. Bericht Irland Flugreise von Thomas Engel...

Unter www.gov.uk werden wertvolle Infos über die Voraussetzungen für Ein.- u. Ausreise für Großbritannien nachgelesen. Hierbei ist insbesondere die Verwendung des GAR-Formblattes nachzulesen und man erhält alle nötigen Infos darüber, wie man an die notwendigen AIP-Unterlagen – speziell die Anflugkarten – kommt, die frei im Internet verfügbar sind. Das war nötig weil wir auf unserer Reise noch einen Freund in England, in der Nähe von Birmingham besuchen wollten. Dieser Zwischenstopp in Wolverhampton passt außerdem sehr gut in die Streckenplanung. Ja..... die Streckenplanung, sie besteht zunächst nur in der Absicht irgendwie nach Dublin zu kommen. Ein Gespräch mit der netten Dame vom Wetter bringt uns dazu, noch am Freitagnachmittag nach Le Touquet, westlich von Calais am Ärmelkanal, aufzubrechen und dort darauf zu hoffen, daß die angekündigte Schlechtwetterfront in der darauffolgenden Nacht durchzieht – was auch klappen sollte.

 IMAG0816 Der erste Streckenabschnitt von Lalo über Luxembourg, Longouyon, an Sedan und Arras vorbei nach Le Touquet am Ärmelkanal

Wir starten um 16:00 Uhr Lokalzeit und sind nach 2:05 Std. bei schönstem Wetter in Le Touquet gelandet. Ein schöner Platz mit äusserst nettem Personal. Das Abstellen im Hangar wird nicht extra berechnet. Landegebühren und Parken sind mit jeweils 15,- bzw. 10,- € noch human und ein Avgaspreis von 2,20 € ist sicherlich auch nicht schlecht. Der freundliche Mann am Schalter schaut für uns im Internet nach einem Hotel und besorgt uns ein Taxi – Rundum Service vom feinsten. Nach einer halben Stunde sind wir im Hotel Red Fox, am Rande der Fußgängerzone und nur 5 min. zu Fuß zur Strandpromenade an der wir eine weitere halbe Stunde später unser Abendessen einnehmen.  Auf dem Rückweg zum Hotel werden wir noch eine Weile von einer Musikband in der Fußgängerzone begleitet bevor diese wegen einsetzendem Regen ihr Konzert abbricht. Es läuft alles wie am Schnürchen. Den Flugplan am nächsten Tag machen wir im Flughafen telefonisch und nach dem Tanken und dem Anlegen der obligatorischen Schwimmwesten kann es losgehen. Vorher schicken wir noch eine SMS an Steve der uns in Wolverhampton am Platz mit dem schönen englischen Namen Halfpennygreen erwarten sollte.

 IMAG0818 Übersicht über die Route durch den südlichen Teil des UK

Wunderbares Rückseitenwetter – ein Fliegertraum für dieses Leg über den Kanal, die VOR´s Lydd, Goodwood und Compton westlich an London vorbei und schon bald taucht Birmingham zu unserer rechten auf. Nach 1:50 Std. setzt die D-ENGL zart auf der 28 auf, eine von drei Graspisten wie man sie von von einem gepflegten englischen Rasen erwarten kann. Der Flugplan wird automatisch geschlossen – alles sehr professionell. Diese Professionalität lässt man sich hier mit 10,- britischen Pfund – etwa 15,- € - bezahlen.  Und kaum steht der Propeller still ist er auch schon da – Steve, der Freund den ich über Oskar auf dessen Geburtstag kennengelernt habe und den ich dann später in Oshkosh wiedergetroffen habe – auch wieder mit Oskar zusammen.

 

IMAG0705Steve auf dem Tower von Halfpennygreen

 

IMAG0704...und seine Ilse neben einem Engel......

Er ist mit seiner selbstgebauten G-ILSE gekommen und stellt sie sogleich neben meine RV-7. Die Kennung ist – wie bei der D-ENGL – kein Zufall. Steve ist mit einer deutschen Frau verheiratet und man darf raten wie sie heißt.....
Nach etwa drei Stunden Aufenthalt, einem kleinen Imbis für Ina und zwei Kaffee für mich und einem netten Gespräch mit Steve will ich den Flugplan für den Trip nach Dublin per Telefon aufgeben. Leider funktioniert das in UK nicht. Auch der angebotene PC versieht nicht den Dienst wie er soll und so versuche ich es telefonisch bei den Frankfurter Kollegen – das funktioniert prompt und gibt leider für die britschen Kollegen leichte Abzüge in der B-Note...
Von Wolverhampton geht es über den Platz Lianbedr an der englischen Küste direkt an die irische Küste in Newport, südlich von Dublin. Während der Überquerung der irischen See geht der Funkkontakt zu London Information verloren und wir werden über ein anderes Flugzeug, welches für uns die Relaisstation macht, gebeten, direkt auf Dublin Approach umzuschalten. Von da an läuft wieder alles reibungslos. Die Überflughöhen über den Kanal und über die irische See sind mit max. 2500ft nicht gerade üppig und erklären auch die Probleme im Funk.  Was über der See so ruhig war im Funk verkehrt sich jetzt ins Gegenteil den hier bin ich zusammen mit allen anderen, die den großen Dubliner Platz anfliegen möchten auf der gleichen Frequenz.  ........bla bla bla break break......bla bla bla break break.......bla bla bla break break....hier ist was los und da sollte man gut vorbereitet sein. Vor allem sollte man das große Übersichtsblatt von Dublin zur Verfügung haben. Der Flug geht von Newcastle an der Küste entlang nach Norden und führt anschließend über die ganze Stadt in 1700 ft bis an die Schwelle von Weston Airport – ein schöner Anflug.

IMAG0820Der Rest der Route vom Einflug über Dublin weiter nach Galway, Inishmore, Kerry und Waterford

Nach der Landung und der Versorgung des Fliegers empfängt uns Hazel im C-Office mit einer erfrischenden irischen Herzlichkeit und hilft bei der Suche nach einer passenden Unterkunft. Das gestaltet sich etwas schwierig da an diesem Wochenende in Dublin wg. der Endspiele der Rugbymeisterschaft und eines großen Reitturnieres etwa 87.000 zusätzliche Gäste erwartet werden. Wir wohnen aber dann für 70,-€ /Nacht im Broadmeadow Country House – einem richtig schönen Herrenhaus in Ashburne, etwa 23 km nördlich von Dublin.

 

IMAG0716man wohnt eben standesgemäß....

 

IMAG0717...im Broadmeadow Country House....

 

Den Flieger hätte ich im Hangar unterstellen können – für 80,- € / Nacht was dann sogar noch 10,- € teurer gewesen wäre als unsere Unterkunft. Das habe ich aber, auch wg. des angekündigt guten Wetters, dankend abgelehnt. Auch das Abstellen auf Gras wird mit 20,- € /Tag noch fürstlich entlohnt. Die Landung schlägt auch nochmal mit 20 Euronen zu Buche. Hazel besorgt uns noch einen Taxifahrer dem sie allerdings zuerst noch den Weg erklären muss und dem sie sicherheitshalber noch eine Telefonnummer mitgibt – ein Navi wäre wohl besser gewesen. Redselig und freundlich war er schon, der Michael, nur war uns dieser Service auf Dauer zu teuer........ 

 OK...WIR SIND DA....IN IRLAND, IN DUBLIN !!!!!!

Zuerst buchen wir eine Hop on Hop of Tour um zu sehen was wir hier in den nächsten Tagen genauer untersuchen wollen. Diese Tour ist eigentlich wenig ergiebig – trotz Audioguide in deutsch.  Also starten wir mit dem Tempelbarbezirk.....das gefällt mir schonmal ganz gut. Livemusik in jedem Pub, alles irgendwie genauso wie ich mir das vorgestellt hatte. Wir schlendern durch die Einkaufsstrassen und werden auch fündig. Ich mit einer Jacke und Ina mit Schuhen. Beides sollten wir noch gut gebrauchen können.  Am nächsten Tag beginnen wir mit dem Guinness-Storehouse. Eine interessante Angelegenheit die mit einem tollen Ausblick über die gesamte Stadt aus dem Lokal im 7 Stock belohnt wird.

IMAG0735Ein tolles Panorama aus dem Fenster …

 

IMAG0736 ...im 7.Stock des Guinness Storehouse

 

Ausserdem mache ich noch gleichzeitig mein Diplom als Guinness-Zapfer und ein frisch gezapftes Pint gibt es noch obendrauf.

IMAG0733Tja.....auch richtig Zapfen will gelernt sein.

 

IMAG0740Der berühmte ´Long Room´ im Trinity College

 

Danach müssen wir noch ins Trinity College mit seiner berühmten Bücherei – dem long Room. Hier soll angeblich jedes Buch vorhanden sein das jemals in England und Irland gedruckt wurde. Zum Essen geht’s in den Brazen Head, dem ältesten Pub Irlands. Hier sieht wirklich alles aus als sei die Zeit stehen geblieben.

IMAG0738 Der Innenhof im ältesten Pub Irlands...

 

IMAG0724 und draussen vor der Tür des Brazen  Head...

 

Nach zwei Tagen Dublin zieht es uns weiter und wir brechen auf an die Atlantikküste nach Galway.  Auch hier ist es nicht einfach mit der Unterkunft und John Madden, der Chef des Platzes vermittelt uns an eine Freundin – letztendlich viel zu teuer wie wir im Tourismusbüro erfahren. Dafür stehen wir mit dem Flieger im riesigen Hangar fast ganz alleine und zum gleichen Preis wie draußen. Hier ist eigentlich nichts los und der Platz ist sogar am Wochenende geschlossen was uns dazu bringt bereits am Freitag nach Inishmore aufzubrechen. Doch zunächst lassen wir uns von Vincent im Tourist Office eingängig – und auf akzentfreiem Deutsch – beraten und starten mit einer geführten Bustour nach Connemara gefolgt von einer zweiten Tour zu den Cliffs of Moher. Beide Touren sind sehr beeindruckend und das Geld auf jeden Fall wert. Auch die Empfehlung für das Lokal zum Abendessen ist goldrichtig und im Pucan esse ich zum erstenmal ein Irish Stew. Dazu noch ein bis zwei Guinness an das ich mich langsam gewöhne..... ja, so lässt sich leben.

IMAG0775 Von wegen ´die angelsächsische Küche ist gewöhnungsbedürftig`- ganz im Gegenteil, wie man sieht

 

Galway ist ein sehr schönes Städtchen am Fluß Corrib der vom gleichnamigen See kommend mit rel. hoher Fließgeschwindigkeit der Bucht von Galway zustrebt. Knapp 2 km davon kann man entlang einer sehr schönen Promenade genießen. Wem das zu ruhig ist für den ist im Zentrum genug geboten. Aus jedem Pub dringt Livemusik auf die Straße hinaus und wer den Kopf durch die Tür steckt wird feststellen - überall voll, oder  zumindest guter Betrieb und auch die Raucherplätze vor den Lokalen sind immer besetzt.

John Madden, der Flugplatzmanager, hatte uns ja schon bei der Ankunft erklärt, daß der Platz am Wochenende geschlossen ist. Man kann ihn öffnen lassen - für etwa 300,- € da die gesamte Manschaft incl. Feuerwehr dafür dann extra zum Platz gerufen wird. Das war uns einerseits die Sache nicht wert und andererseits war das Wetter am Freitag auch gut genug um die Aran Islands anzufliegen die sich in der Bucht von Galway befinden. Inisheer, Inishman und Inishmore. Also, auf nach Inishmore, PPR am Morgen noch vor dem Aufstehen.... wobei es sich angehört hat als wäres es dem Kollegen von AranAir am anderen Ende genauso gegangen..... Er nuschelt sich was in den Bart was ich als Zustimmung angesehen habe. Es war wohl auch so denn es hat hinterher keiner gemeckert. Nach einem schönen Flug von ca. 25 min landen wir auf Inishmore, verzurren den Flieger und werden dann noch von einem Mitarbeiter des Platzes im Privatauto zu unserer Unterkunft gebracht..... Irland eben....
Die Dame des Hauses empfängt uns mit der mittlerweile schon gewohnten Freundlichkeit und allen Infos zu Wanderwegen, Sehenswürdigkeiten und dem angesagten Pub in dem wir nach dem wirklich guten Abendessen was genießen ?
Klar doch, Livemusik bei Guinness bzw. Weinschorle. Ina ist nicht wirklich dazu zu bewegen von den Gewohnheiten abzuweichen und ich wundere mich etwas über mich selbst denn bisher war ich keinesfalls ein ausgewiesener Fan dieses Bieres.Sowohl das Essen als auch das Getränk hatten wir uns vorher redlich verdient und zwar mit einer 20 km-Wanderung über die Insel - vorbei an Weiden, Steinmauern, Weiden und Steinmauern, Weiden und ..... naja, irgendwann reicht es dann auch.

IMAG0806

 

Frühstücken für mich, wie fast immer, ein full irish breakfast mit Schinken, Spiegelei, Würstchen, gegrillter Tomate und white pudding, wohl eine Art Leberpastete die es auch als black pudding gibt. Es ist offenbar aus Scheinefleisch gemacht und "sie wollen nicht wirklich wissen was da alles drin ist". So jedenfalls hat es uns die Köchin vom Broadmeadow Country House mal erklärt. Ina nimmt es da gerne mal eine Nummer kleiner und belässt es bei Spiegelei und Schinken, Pfannkuchen mit Süßkram drauf oder einem croque madame. Dermaßen gestärkt wollen wir uns heute nochmal die Cliffs of Moher aus der Luft ansehen und uns dann auf den Weg nach Kerry im Südwesten der Insel machen wo wir ca. 45 min. später auch problemlos landen. Nur die Zeichen des Marshalls und die dazugehörigen Anweisungen des Towers um uns auf unseren Stellplatz zu geleiten waren etwas unverständlich und führten zu einer größeren Sightseeingtour über den Platz und seine div. Einrichtungen. OK - gleiches Procedere wie gehabt, Flieger verzurren (Hangarplätze sind rar in Irland), Taxi nach Killarney und direkt ins Büro mit dem großen "i"  über der Tür.   Auch hier gibt es wieder Beratung vom feinsten, nur das der Kollege hier erst ganz zum Schluß mit seinen Deutschkenntnissen um die Ecke kommt. Aber in diesem Fall war das garkein Problem weil hier nicht mit starkem Akzent gesprochen wird. Im allgemeinen sind die Iren sehr stolz auf ihre eigene Sprache - gälisch und es gibt mittlerweile Schulen hier, in denen nur gälisch gesprochen wird und die Ihre Schüler relativ streng kontrollieren. Wer beim zweiten mal erwischt wird wenn er englisch spricht fliegt - rauhe Sitten sind das. Killarney ist sicherlich eine gute Ausgangsbasis für Ausflüge zum Ring of Kerry oder über die Dingle Halbinsel. Große Teile der Rundwege sind Bestandteil des Wild Atlantic Way  und bieten nicht nur herrliche Ausblicke sondern bringen uns auch am westlichsten Punkt Europas, den Blasket Islands, vorbei.

IMAG0815 Europas äußerster Westen

 

So langsam beschäftigen wir uns schon mit dem Wetter für den Rückflug und das sollte noch Überraschungen für uns bereithalten. Insgesamt muss man aber sagen, daß wir auf unserer bisherigen Flugtour immer Glück mit dem Wetter hatten.... auch wenn es auf den Fotos nicht immer danach aussieht. Auf dem gesamten Trip sind wir allerdings auch nie über 6000 ft hinausgekommen - die normale Reiseflughöhe lag bei etwa 2000 - 2500 ft.   Jedenfalls lässt uns unsere Vermieterin ohne Probleme solange im Zimmer bis der Regen nachlässt und wir nach Waterford im Südosten der Insel aufbrechen können. Hier wird Ina jetzt zur Copilotin was uns 10 Euro spart, Landung und Parken sind auch nicht ungewöhnlich. Allerdings sind wir hier aufgefordert einen Flugplan aufzugeben weil wir sowohl für Start als auch für die Landung einen kontrollierten Platz benutzen. Auch hier wieder bestes Rückseitenwetter - ein schöner Flug. Der Wind schiebt uns mit ca. 25 Knoten extra - dafür kommt er bei der Landung auch genau quer - AUTSCH.

Normalerweise müssen wir von hier aus 24 Stunden im Voraus unsere Ausreise per GAR-Formblatt ankündigen. Die nette Mannschaft organisiert aber auch jetzt wieder, daß es etwas früher klappt wenn ich nur heute noch eine E-Mail an das Customs Office sende. Klappt wunderbar und auch das Tanken ist wieder mal billiger weil wir ja das Land verlassen und daher keine Steuer auf den Sprit anfällt - das bedeutet - Agas für 2,- €/L, Parken 7,50 €, Landegeb. 15,-€, kann sich alles wirklich sehen lassen. Die Mädels am Counter organisieren wieder Hotel und Taxi und buchen für uns sogar noch im Internet weil dann die Konditionenen günstiger sind.... Irland eben......

 Nach einer erholsamen Nacht im Tracy´s Inn und einer Vorschau auf das Wetter plane ich den Rückflug auf den Kontinent. Nochmal nach Le Touquet (es ist wirklich schön dort), direkt über den St. Georges Channel auf das Strumble-VOR zu. Von dort soll es über Cardiff und südlich an Bristol vorbei an das Goodwood-VOR kurz hinter Portsmouth gehen und dann die Südküste Englands entlang bis wir schließlich vom Lydd-VOR zwischen Hastings und Dover den Kanal nach Le Touquet überqueren - soweit der Plan.

Der war allerdings nicht mit dem Wettergott gemacht oder von diesem genehmigt. Normalerweise gilt ja immer "Wenn Engel reisen lacht der Himmel". Er hat Tränen gelacht..... ja, er muss sogar einen richtigen Lachkrampf gehabt haben - wir allerdings nicht.
Nachdem wir das gastfreundliche Irland verlassen haben sehen wir ungefähr 25 min. später die englische Küste. Zunächst fliegen wir weiter gemäß unserem Plan jedoch bereits kurz vor Cardiff entschließe ich mich den Bristol Channel bereits jetzt zu überqueren weil ich nicht aufgrund des sich verschlechternden Wetters zwischen den Kontrollzonen von Cardiff und Bristol herumeiern möchte. Es geht also über die Plätze Dunkeswell und Hermitage in Sussex weiter Richtung Osten. Das Wetter wird zunehmend unfreundlicher. Bereits kurz danach zwang es uns in die Sperrgebiete von Boscombe einzufliegen was mich schließlich zu der Erkenntnis bringt, daß wir wohl heute nicht bis nach Frankreich kommen. Wir sind mittlerweile sehr tief unter den bedrohlich dunklen Wolken und der eine oder andere tiefhängende Fetzen lullt uns für wenige Sekunden ein. Immer im Funkkontakt mit London Information und von denen auch auf dem Schirm beobachtet bekommen wir immer wieder Vorschläge für Landeplätze. Am Ende sehe ich einen vor mir, hell erleuchtet und mit einer sehr langen, festen Bahn. Der Controller untersagt aber die Landung hier und gibt uns an Blackbushe, ca. 3 Miles weiter nordwestlich. Ich tippe das über die Nearestfunktion meines Navis ein und, kaum fertig, sehe ich den Platz auch schon. Das angebotene direct inn brauche ich nicht, gehe nochmal midfield über den Platz und lande kurz darauf sauber aber nassgeschwitzt auf der 25. Ina braucht jetzt erstmal eine Zigarette und ich einen Kaffee.


Wir werden schon von einer freundlichen Dame in Empfang genommen, sortieren noch schnell ein paar Klamotten aus so daß wir etwas für die Übernachtung haben, verzurren den Flieger und harrren der Dinge die da kommen.eigentlich hätte ich mit einem Anschiss gerechnet - der blieb aber aus. Im Gegenteil, auch hier wieder Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft ohne Ende. Man organisiert ein Hotel in kurzer Distanz zum Platz und bringt uns auch wieder mit dem Privatauto dorthin. The Ely heißt das gute Haus. Hotel, Bar, Restaurant - alles in einem. Letzlich müssen wir dort zwei Tage bleiben weil auch am darauffolgenden Donnerstag noch immer kein fliegbares Wetter herrscht - jedenfalls keines das ich Ina wieder zumuten kann. Wir erfahren in der Zwischenzeit, daß der hell erleuchtete, große Platz Farnborough gewesen ist und dieser wegen Überflutung durch Sturzregen geschlossen war.Auch die Fußgängerzone von Farnborough wurde am nächsten Tag eifrig mit Dampfstrahlern gereinigt und die Sandsäcke neben den Eingängen der Geschäfte zeugen noch davon, daß hier wirklich ganz schön was runtergekommen ist. Wir haben wohl mit unserer Landung wirklich den allerletzten Ausstieg genommen.

Nach einer Viertelstunde im Hotel klingelt mein Handy und am anderen Ende ist AIS Paris, die kurz davor sind eine Suchaktion zu starten. Nochmal eine Viertelstunde später klingelt es schon wieder und Shannon AIS ist dran mit der selben Nachricht. Beiden erkläre ich,  daß am Platz in Blackbushe der Flugplan gecancelt wurde, ich dies ausdrücklich nochmals nachgefragt habe und mir das auch bestätigt wurde.Ich bin ja mal gespannt ob da nochwas kommt.
Jedenfalls haben sie am Ende keine Landegebühren und keine Parkgebühren genommen mit der Begündung, "Sie haben ja eine Sicherheitslandung gemacht". Ich musste also wieder nur den Sprit bezahlen (Avgas 2,-€) und sonst nix. Den Flugplan tippen sie auch noch für mich in den PC und so geht es dann am Freitag auf das letzte Stück der Reise von Blackbushe nach Lalo zurück. Die Route ist im wesentlichen die gleiche geblieben.Start bei bestem Wetter. An der Südküste sind die Flughöhen nicht so berauschend aber zur Kanalüberquerung haben wir reichlich Luft nach oben. Die größte geflogene Höhe erreiche ich hier mit kurzfristig 6000 ft die ich aber umgehend wieder verlasse weil mich hinter der französischen Küste Lufträume A erwarten in die ich nicht einfliegen darf. Ausserdem ist die dortige Luftraumstruktur während der Woche etwas kompliziert und das bildet meine 1:1 000 000 Karte leider nicht ab - also runter, unter 3000 ft. Das Wetter macht aber hier keinerlei Probleme und es sieht so aus, als sollte das auch halten bis Nachhause......zunächst mal.

Über Le Touquet geht es wieder vorbei an Arras und Sedan nach Longuyon und von dort aus über Luxemburg nach EDEL. Allerdings müssen wir etwas nördlich um Luxemburg Stadt herum weil gerade so viel Verkehr herrscht. Das erweist sich noch als gute Umleitung denn bei Trier schon entscheiden wir uns, die Hahner Kontrollzone nördlich zu umfliegen um notfalls über das Mosel- und das Rheintal nachhause zu kommen. Das war auch die Empfehlung des ausserordentlich guten Controllers von Langen Information der uns ungefragt über Windräder, Wetter in der Umgebung, mögliche Routen oder Schlechtwetterstrecken informierte. Das war eine schöne Zusammenarbeit. Die Wolken liegen teilweise auf und das letzte Stück von Bacharach bis ins Binger Loch fliegen wir im Rheintal - Hunsrück und Taunus liegen auf aber direkt vor uns breitet sich das liebliche Rheinhessen aus wie auf einem Präsentierteller - geschafft. Nach drei Stunden Flug, Landung auf der 19 und einer Stunde Putzen sind wir nach exakt 2 Wochen wieder in der Heimat angelangt.

Während insgesamt 13:05 Flugstunden, mit dem besten und zuverlässigsten Flugzeug das man sich wünschen kann, haben wir rund 400 Ltr. Sprit verbrannt, etwa 360,- € für Landegebühren, Parkgebühren, Kartenmaterial, Tripkit Irland usw.ausgegeben. Und was haben wir dafür bekommen ?  Wir sahen interssante Orte, unvergleichlich schöne Landschaften und Küstenabschnitte, haben alte Freundschaften aufgefrischt und neue geschlossen, fliegerische Erfahrungen gesammelt und Bilder im Kopf die uns niemand mehr nehmen kann -ausser Alzheimer vielleicht.

Ich kann jedem/r Fliegerkammeraden/in nur raten und Mut zusprechen. Macht Euch auf in diese Welt die wir mit unseren Flugzeugen erschließen können - es sind unbeschreiblich schöne  und manchmal auch bewegende Dinge die Euch dort erwarten. Ich würde mich freuen darüber von Euch etwas lesen zu können.
Thomas Engel 13.09.2015

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