5Segelflugzeuge Sichtkontakt. Mai 2017
Haben sich die beiden Piloten schlichtweg übersehen? Nach wie vor ist unklar, warum sich zwei Segelflugzeuge über dem Dreisamtal streiften – denn im Grunde gibt es klare Regeln in der Luft. Wie es zum Unfall zweier Segelflugzeuge am vergangenen Sonntag über dem Dreisamtal kam, ist noch unklar. Die ersten Einschätzungen der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchungen (BFU) deuten darauf hin, dass sich die beiden Piloten nicht gesehen haben. Generell gilt Segelfliegen laut BFU als relativ sicher, doch Unfälle sind oft tödlich.

Am Sonntag hatten sich zwei Segelflugzeuge gestreift. Trotzdem konnten beide sicher landen. Auf Anfrage der BZ teilt Jens Friedemann von der BFU mit: "Der Vorfall wird noch untersucht und es liegen noch keine genauen Erkenntnisse zum Unfallhergang vor. Wir können aber wahrscheinlich davon ausgehen, dass die beiden Piloten sich gegenseitig nicht gesehen haben und wenn doch, dann so spät, dass sie nicht mehr ausweichen konnten."

Den anderen immer im Sichtfeld haben
Der Meinung ist auch Klaus Hallmayer vom baden-württembergischen Luftfahrtverband. "Segelflugzeuge kommen sich in der Luft selten zu nahe. Die einzige Ausnahme ist der Flug im sogenannten Bart. Das ist der Bereich im Luftraum, wo durch die Thermik warme Luft nach oben steigt." Motorlose Flugzeuge nutzen diese Luftschläuche mit einem Durchmesser von 150 bis 300 Metern, um kreisend an Höhe zu gewinnen. Dann beginnen sie den Streckenflug, bei dem sie langsam absinken.
Es kann vorkommen, dass mehrere Flugzeuge den selben Aufwind nutzen. "Aber dafür gibt es Regeln," so der Experte, "es darf nur in die gleiche Richtung gekreist werden. Das Flugzeug, was als erstes in eine Thermik einfliegt, gibt die Richtung vor. Außerdem müssen Höhenabstände gewahrt werden. Sollte es trotzdem mal vorkommen, dass aufgrund unterschiedlicher Geschwindigkeit in gleicher Höhe gekreist wird, dann müssen die Piloten darauf achten die anderen Gleiter immer im Sichtfeld zu haben." Da die Polizei im Fall der Kollision vom Sonntag von einer "Berührung im Begegnungsverkehr" spricht – also einem Frontalzusammenstoß –, streiften sich die Flugzeuge vermutlich nicht beim Höhengewinn in der Thermik.

Es wäre durchaus im Bereich des möglichen, dass der Pilot, welcher nach der Kollision noch bis zu seinem Heimatflugplatz auf der Schwäbischen Alb weiterflog, die Kollision gar nicht sofort mitbekam. Es könnte sich in seinen Augen auch um einen Vogel gehandelt haben. Der Schlag war wahrscheinlich spürbar, aber habe möglicherweise weder sichtbaren Schaden hinterlassen, noch sich auf die Steuerung des Flugzeugs ausgewirkt, so der Geschäftsführer des Luftfahrtverbandes. "Da ist es nicht ungewöhnlich, einfach weiterzufliegen."
Im Gegensatz zum Verkehrsflug im kontrollierten Luftraum haben Segelflugzeuge keine oder kaum Instrumente für die Überwachung des Luftraums an Bord. Die Überwachung der Umgebung obliegt den Piloten, allerdings ist das nicht immer uneingeschränkt möglich. So verdecken Tragflächen, Rumpf und Instrumentenbrett Teile des Sichtfelds. Auch das Wetter spielt eine Rolle. Wenn ein Flugzeug direkt vor der Sonne fliegt, ist es nur schwer zu erkennen. Es gibt zwar das Flarm-System zur Kollisionsvermeidung, der Betrieb ist aber nicht verpflichtend. Es funktioniert nur, wenn beide Flugzeuge das System an Bord aktiviert haben. Ob die Unfallbeteiligten dieses System installiert hatten, ist noch nicht bekannt.

Die Piloten fliegen nicht im selben Luftraum wie die Verkehrsflugzeuge. Es gibt also wenig Verkehr und viel Platz. Zudem haben die Piloten immer einen Fallschirm umgeschnallt. Im Jahr 2016 gab es laut BFU-Statistik 80 Unfälle mit Segelfliegern, elf Menschen kamen dabei ums Leben.

Quelle: badische-zeitung.de

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